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Mount St.Elias

Axel Naglich


In den letzten Jahren hat der 41-jährige Kitzbüheler Axel Naglich die großen Berge der Welt „abgegrast“ und dabei extremste Routen erstbefahren. Er war am Fuße des Nuptse im Himalaya, fuhr vom höchsten Berg Europas, dem Elbrus in Südrussland, bereiste jahrelang Südamerika oder zog seine Spuren am Damavand im Iran. Caroline Face hingegen präsentierte sich in Herbst 2006 widerspenstig und schickte den Extremskifahrer unverrichteter Dinge zurück auf die nördliche Hemisphäre. „Seit ich 2004 mit zwei Kollegen die westseitige Flanke erklettert und sie in einer atemberaubenden vierstündigen Abfahrt erstbefahren habe, wollte ich auch die gegenüberliegende Seite des Mount Cook bezwingen. Die Tour über den Ostgrat ist mit Sicherheit die schönste Eiskletterroute Neuseelands. Doch in unserem Sport darf man Motivation und Beharrlichkeit keinesfalls mit Übermut und Unvernunft verwechseln!“ Der Einsatz könnte unter Umständen ein zu hoher sein.

In gewissem Sinne ist Naglich voller Widersprüche, dieses jungenhafte Grinsen passt nicht ganz zu seiner wilden Entschlossenheit, Pisten in Angriff zu nehmen, die eigentlich unmöglich zu befahren sind. Seine berufliche Karriere als Architekt, die er von montags bis freitags verfolgt, bildet einen starken Gegensatz zu seiner Freizeit, die er mit Reisen um die Welt verbringt; auf der Suche nach der nächsten lebensgefährlichen Abfahrt oder der nächsten unberührten Bergwand, die noch nie ein Skifahrer betreten hat. Den Reiz seiner Routenauswahl sieht er vor allem auch im Erreichen der Ausgangspunkte. „Vor jeder Abfahrt steht ein Gipfelsieg und der ist mitunter härter erkämpft als das Runterkommen selber.“

Eine seiner anspruchsvollsten, aber skurrilsten Fahrten absolvierte er nur wenige Kilometer von zuhause entfernt. Schon seit Jahren hatte er eine fast senkrechte, ungemein enge Rinne vom Kitzbüheler Horn im Visier, die als völlig unfahrbar galt. Der namenlose Kamin hat ein Gefälle von durchgehend 50 bis 55 Grad und erstreckt sich über rund 400 Höhenmeter. „Hier wird bei diesen Bedingungen sobald niemand mehr herunterfahren, mich eingeschlossen“, so Naglich.

Es gibt nicht allzu viele von seinem Schlag. Skialpinisten sind Bergsteiger, Eiskletterer, Skifahrer und Extremisten. Sie lassen sich auf keinen Berg fliegen, um runter zu fahren und klettern nicht auf einen Berg, um danach einen x-beliebigen Weg ins Tal zu nehmen. Sie haben sich all diese Fähigkeiten in jahrelangem Training angeeignet, in zahlreichen Herausforderungen immer wieder weiterentwickelt und vereinen sie so exzellent in sich, dass sie zu außergewöhnlichen Leistungen fähig sind. Auf der Hand liegt allerdings auch, dass sich derartige Großtaten nicht über Nacht realisieren lassen, sondern einer punktgenauen, monatelangen Vorbereitung bedürfen und bereits diese als Kraftakt an sich angesehen wird. So diente eine Erstbefahrung auf dem Mount Cook erst als Vorarbeit zu einem noch viel größeren Projekt. Für den dreifachen Ironman Axel Naglich fängt da die Herausforderung erst an.

Der letzten dieser Art stellte er sich im Mai und August 2007, aber geistig eigentlich schon über mehrere Jahre. Nicht Schnelligkeit ist die Devise, sondern Beharrlichkeit und der Glaube an sich selbst. Beim simplen Überflug auf der Suche nach einer Speedski-Location sah er ihn, den Mount St. Elias mitten in Alaskas Nirgendwo. Nordamerikas vierthöchster Berg hatte ihn beim ersten Anblick sofort in den Bann gezogen: Die Möglichkeit, vom Gipfel in 5.489 Meter Höhe bis zum Meer, dem Golf von Alaska, abzufahren, war einmalig. Die längste schneebedeckte, vertikale Linie der Welt.